Authentische Führung - 3 typsiche Missverständnisse

Authentizität scheint der heilige Gral in der Führung zu sein und wird gleichzeitig oft falsch verstanden. Wer glaubt, es gehe darum, "echt" zu sein, übersieht, dass "Echtheit" ungewollte, negative Konsequenzen haben kann. Authentizität im Sinne von Authentic Leadership entsteht, wenn Selbstkenntnis und Systemverständnis in Einklang stehen. 

Missverständnis 1: Authentisch sein heißt, immer „man selbst“ zu sein

Echtheit ist kein Freifahrtschein für ungefiltertes Verhalten. Führung bedeutet, die eigene Persönlichkeit bewusst zu steuern, und zwar im Kontext der Rolle, die man als Führungskraft ausfüllt. Es geht nicht darum, jede Emotion oder jeden Gedanken auszusprechen, sondern darum, die eigenen Werte und Ziele klar zu kennen und dafür zu sorgen, dass sie nicht im Konflikt zu den Unternehmens- oder Teamwerten stehen.

Praxistipp: Führe ein kurzes Reflexionsjournal. Notiere Situationen, in denen Du spontan positiv oder negativ reagierst, und leite daraus die zugrundeliegenden Werte ab. Das hilft dir dabei herauszufinden, ob es möglicherweise Wertekonflikte gibt, die du adressieren solltest. 

Missverständnis 2: Radikale Offenheit ist gleichbedeutend mit Authentizität

„Ich sage immer, was ich denke“ klingt ehrlich, hat aber in der Führung nichts zu suchen. Authentische Führung heißt nicht, ungefiltert zu kommunizieren, sondern verantwortungsvoll und wieder im Kontext der eigenen Rolle. Führungskräfte, die jedes Gefühl oder jede Meinung sofort teilen, erzeugen oft Unsicherheit im Team, denn Menschen knüpfen eine gewisse Erwartungssicherheit an organisatorische Rollen. Reife Authentizität zeigt sich darin, Emotionen wahrzunehmen, sie zu reflektieren und dann so zu handeln, dass Orientierung entsteht.

Praxistipp: Mach dir die Erwartungen an deine Rolle klar und tritt innerlich bewusst einen Schritt zurück, wenn du in eine Situation kommst, in der das, was du als Person denkst und fühlst, in Konflikt zu dem steht, was als Verhalten von dir als Führungskraft erwartet wird. Das heißt nicht, dass du deine Persönlichkeit an den Nagel hängen sollst. Authentizität bedeutet hier, dass du dir deiner Handlungen und der möglichen Auswirkungen auf das System (z.B. dein Team) bewusst bist.

Missverständnis 3: Autentische Führung ist egogetrieben

Viele verwechseln Authentizität mit dem Ausdruck des eigenen Egos. Doch Authentische Führung stellt nicht das „Ich“, sondern das System in den Mittelpunkt. Es geht um das funktionale Zusammenspiel von Persönlichkeit und System. Nur wer das System versteht – also die Beziehungen, Abhängigkeiten und Dynamiken darin – kann angemessen führen und seine eigenen Prinzipien, Werte und Ziele mit den Bedürfnissen des System in Einklang bringen.

Praxistipp: Beobachte regelmäßig, wie dein Verhalten auf andere wirkt. Feedback aus unterschiedlichen Perspektiven hilft, blinde Flecken sichtbar zu machen.

Eine gute Möglichkeit Feedback wirksam in deiner Organisation zu verankern, ist die Anwendung des Radical Candor Modells. Mehr dazu findest du hier.

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